Herzlich willkommen Reinhard und herzlichen Dank dafür, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben.
ars cultri – Reinhard Tschager, viele Leute haben Ihr handwerkliches Können über viele Jahre hinweg bewundert aber wie fing das eigentlich alles mit dem Messermachen an?
Reinhard Tschager - Wie die meisten Jungen, war auch ich von Messern fasziniert und entschloss mich eines Tages ein Messer für mich selbst in Handarbeit herzustellen. Anschließend wollte ein Sammler dieses Stück erwerben und so hat der Werdegang des Messermachers angefangen.
ars cultri – Erzählen Sie uns doch bitte ein wenig mehr über Ihre „Geschichte.“ Es gibt doch sicherlich eine ganze Reihe von netten Anekdoten, die Sie noch in Erinnerung haben.
Reinhard Tschager -Der Traum jedes Messermachers ist sicherlich ein Damastmesser anzufertigen und der Zufall wollte dass ich über einem Freund, der in der Nähe eines bekannten Damastschmiedes in Deutschland wohnte, den ersten Damastrohling erhielt. Später habe ich mit Heinz Denig Kontakt aufgenommen und bin mit meinem Bruder, der begeisterter Segelflieger ist, mit einem Motorsegler nach Kaiserslautern geflogen, damit ich mit Heinz über seinen Damast etwas fachsimpeln konnte. Mir zittern heute noch die Beine wenn ich an diesen Flug über den Alpen denke, Turbulenzen ohne Grenzen.
ars cultri – Ist Ihr Wirken eigentlich auch durch andere Messermacher beeinflusst worden. Können Sie uns sagen wer den größten Einfluss auf Sie hatte und wie das zu Stande kam?
Reinhard Tschager - Zufällig lernte ich Dietmar Kressler mit mehreren bekannten amerikanischen Messermachern auf Schloss Freudenstein kennen (nahe meiner Heimatstadt Bozen, Südtirol). Die klaren Linien dieser Messermacher haben mich sofort angesprochen und ich versuchte Messer herzustellen mit sauberer Linienführung.
ars cultri - Wurden insbesondere auch Ihre Techniken dadurch beeinflusst oder gibt es da auch noch andere Dinge die auf Sie eingewirkt haben?
Reinhard Tschager - Natürlich habe ich mich über die Arbeitweise, und Technik der Kollegen informiert, ich bin aber überzeugt, dass sich jeder Messermacher eine individuelle Arbeitsweise aneignet, je nach Möglichkeit die seine Werkstatt samt Maschinen bietet. Das wichtigste bei jedem Arbeitsgang ist, dass man genau weiß was man mit der Feile per Hand oder mit der jeweiligen Maschine erreichen will, sonst geht es daneben.
ars cultri – Gibt es auch Messer Sammler deren Wirken Sie beeinflusst hat?
Reinhard Tschager - Ein Gespräch mit bekannter Messersammler ist immer nützlich, ich konnte in der Zusammenarbeit verschiedene neue Ideen verwirklichen. Wichtig ist mir, dass am Ende ein Messer entsteht, das meinem Stil entspricht. So entstanden verschiedene Varianten, die für den Sammler begehrenswert sind.
ars cultri – Welche Freundschaften haben sich über die Jahre gebildet; mit Kollegen, mit Sammlern? Nennen Sie uns doch einige.
Reinhard Tschager - Ich habe in 25 Jahren Messermacherei viele Sammler und Macher kennen gelernt und mit allen einen guten Kontakt. Alle aufzuzählen bräuchte ich sicher mehrere Seiten und würde, ohne es zu wollen, jemanden vergessen. Zum Beispiel konnte ich die Schmiede eines amerikanischen Damastschmiedes in Boston besuchen und war dort mehrere Tage willkommener Gast. Den Zwiebelkuchen im Hause eines bekannten deutschen Kunstschmiedes werde ich genauso wenig vergessen. Einige Sammler und Macher waren auch bei uns zu Gast und es ist immer interessant mit Ihnen Fach zu simpeln. Eines ist sicher, ich habe mit der Messermacherei nur nette Leute kennen gelernt.
ars cultri – Können Sie uns einen Stil oder Stilelemente nennen, die Ihre Arbeiten zu einem typischen „Reinhard Tschager“ Design machen?
Reinhard Tschager - Viele meiner Messer unterscheiden sich durch die ovalen Goldnieten oder durch Pins in Rombusanordnung. Aber auch gravierte Goldeinlagen mit Edelsteinen für besondere Sammlerstücke werden von mir gerne verwendet. Außerdem haben alle meine Messer als Logo eine Feingoldmarke mit den Initialen.
ars cultri – Sie werden als einer der präzisesten Messermacher anerkannt. Welche Standards gelten für Sie damit ein Messer „vollendet“ ist.
Reinhard Tschager - Ich versuche mich immer zu verbessern und bin erst zufrieden wenn sich das Messer in meiner Hand angenehm samtig anfühlt.
ars cultri – Wieviele Jahre haben Sie dafür investiert bis Sie dieses hohe Qualitätsmerkmal erreicht haben?
Reinhard Tschager - Sicherlich hat mein Beruf als Goldschmied, der sehr genaues arbeiten in kleinsten Details verlangt viel dazu beigetragen. Natürlich braucht man einige Jahre um sich mit den neuen Materialien vertraut zu machen, denn kein Meister fällt vom Himmel.
ars cultri – Lassen Sie uns kurz auch über Materialien sprechen. Welche Materialien verwenden Sie am liebsten.
Reinhard Tschager - Als Messerstahl verwende ich vorwiegend ATS 34 und RWL 34, was die Damaststähle betrifft, bediene ich mich von verschiedenen Schmieden. Für die Griffschalen bevorzuge ich Naturmaterialien, wie verschiedene Hölzer, Perlmutt, Mammut u.s.w.
ars cultri – Gibt es irgendwelche neue Materialien, die eine echte Chance in der Zukunft haben werden?
Reinhard Tschager - Es gibt immer wieder neue Stähle die sich als Messerstahl gut eignen, sowie hochtechnologische Materialien wie Keramik. Nach meiner Meinung haben diese bei Sammlermessern keinen großen Einfluss. Die Griffmaterialien ändern sich je nach dem Trend der Mode.
ars cultri – Wieviele Messer stellen Sie im Jahr her?
Reinhard Tschager -In etwa 12 Stück.
ars cultri – Schätzen Sie doch bitte einmal wie viele Messer Sie im Laufe Ihrer Karriere gemacht haben.
Reinhard Tschager- Zirka 220
ars cultri – Welches Ihrer Designs ist am beliebtesten und am meisten gefragt?
Reinhard Tschager - Seit einigen Jahren habe ich eine große Nachfrage nach kleinen Schmuck-Messern mit Goldkette und Pendant.
ars cultri – Wie lang ist Ihre derzeitige Warteliste?
Reinhard Tschager - 18 Monate
ars cultri – Welches Design mögen Sie persönlich am liebsten?
Reinhard Tschager - Klare Linien mit Drop Point Klinge, ich liebe aber auch Nicker und Dolche.
ars cultri – Hat die ständige Entwicklung von Werkzeugen, Maschinen und Materialien einen Einfluss auf Ihre Arbeit? Wie denken Sie werden sich diese Entwicklungen auf das Messermachen auswirken?
Reinhard Tschager - Für meine kleine Produktion kommen hochtechnologische Maschinen nicht in Frage, in der Industriefertigung wird es sicher großen Einfluss haben.
ars cultri – Denken Sie dass die stetige Zunahme von Messermachern anhalten wird? Welche Auswirkungen wird das auf die Messermacher allgemein haben?
Reinhard Tschager - Ich glaube ja, weil die immer steigende Anzahl von Ausstellungen dies fördert. Wenn die Anzahl der Sammler ebenfalls steigt, wird es keine Probleme geben, auch wenn die wirtschaftliche Lage zur Zeit nicht sehr rosig ist.
ars cultri – Sehen Sie neue Messermacher am Horizont, die den Sprung „nach oben“ schaffen werden? Nennen Sie uns doch bitte einige Namen.
Reinhard Tschager- Ich kenne einige die in nächster Zeit Geschichte schreiben werden, möchte aber korrekterweise keine Namen nennen.
ars cultri – Welchen Rat würden Sie den „Neuen“ geben, die es versuchen sich zu etablieren?
Reinhard Tschager - Sich einen eigenen Stil anzueignen um sich von der Masse zu unterscheiden. Leider gibt es kein Rezept die Lehrjahre zu umgehen, sonst würde ich es gerne verraten.
ars cultri – Welches ist Ihre beste Geschichte mit einem Ihrer Kunden oder einem Ihrer verkauften Messer?
Reinhard Tschager - Vor einigen Jahren brachte ich einen sehr aufwendigen Dolch zu einer Show. Meine Frau meinte ich hätte in der Zeit drei Messer anfertigen können die leichter zu verkaufen wären. Während meine Frau kurz eine Tasse Kaffee trinken ging wurde die Show für das Publikum geöffnet. Ein Kunde begutachtete meine Stücke, sah den Dolch, und sagte " dieses Stück möchte ich haben" und der schöne Dolch war verkauft. Meine Frau fiel aus allen Wolken als Sie die gute Nachricht erfuhr. Mir fiel ein was mir ein Kollege sagte: "Für jedes Messer gibt es irgendwo auf der Welt einen Kunden, das schwierige ist nur, die Beiden zusammenzubringen".
ars cultri – Hätten Sie Lust ein paar Worte über die Messer Sammler allgemein oder speziell zu verlieren? Z.B. die Beziehungen und warum sie manchmal so intensiv werden?
Reinhard Tschager - Die Beziehung zu den Sammlern ist sehr gut, und bis auf wenige Ausnahmen haben alle Verständnis für die langen Wartezeiten.
ars cultri – So wie das Internet die Welt strukturell verändert, wie wird sich das auf die Messermacherei in der nächsten Dekade auswirken oder was wird sich ändern?
Reinhard Tschager - Ist sicher eine tolle Sache und verringert die Distanzen, ideal für Informationen und manchmal eine gute Hilfe etwas Besonderes zu finden. Wenn möglich bevorzuge ich einen persönlichen Kontakt mit den Kunden.
ars cultri – Die weltweite Rezession betrifft nun ja auch den Markt für Custom Knives. Spüren Sie persönlich solche Auswirkungen? Denken Sie dass sich diese Situation in den nächsten Jahren wieder ändern wird?
Reinhard Tschager - Mit meiner kleinen Produktion bin ich nicht so sehr betroffen, aber die Krise ist für alle spürbar. Sie wird sicher einige Zeit andauern und dann kann es nur noch aufwärts gehen.
ars cultri – Wie denken Sie wird sich in Zukunft das Messermachen in der Welt entwickeln.
Reinhard Tschager - Sollte das Gesetz immer strenger werden, könnte es für bestimmte Messerarten das Aus bedeuten. Es wird immer passionierte Sammler geben damit die Messermacherei bestehen bleibt.
ars cultri – Wenn Sie die freie Wahl hätten, wo würden Sie am liebsten leben?
Reinhard Tschager - Ich bin ein Amerika-Fan und liebe ganz besonders New York, aber leben möchte ich immer nur in meiner Heimat Südtirol.
Herzlichen Dank für das Interview Reinhard Tschager!
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