MESSERMACHER

Steve Lindsay

Steve Lindsay ist einer der besten und bekanntesten Graveure der Welt. Aber nicht nur das, er fertigt auch seine eigenen Messer. Seine Arbeiten sind außergewöhnlich und Atem beraubend zugleich. Er komponiert filigranste Kunst zu virtuosen Werken; Werke von fließender Harmonie und Schönheit.

Steve Lindsay wurde 1958 in Holdrege, Nebraska, geboren. Sein Vater, Frank, ist ein ausgebildeter Juwelier, Mineraloge und Uhrmacher, der mit Stolz an Präzisionsuhren arbeitete und kundenspezifischen Schmuck schuf, oft mit Steve an seiner Seite, der die Fähigkeiten der Gold- und Metallbearbeitung erlernte. Steve´s Großvater war ein Landschaftsmaler, und sein Urgroßvater war auch Graveur und Juwelier. Unter dem wachsamen Auge seines Vaters begann der junge Steve schon im Alter von 12 Jahren die Kunst des Gravierens zu erlernen. Die Weichen für seine Zukunft wurden 1975 für ihn gestellt, als er Hilfe von zwei Freunden seines Vaters, Lynton McKenzie und James Meeks (Autor von „The Art of Engraving“) erhielt. Es war genau an diesem Punkt seines Lebens, als er sich dazu entschied Handgravuren zu seiner Zukunft zu machen. Auf Empfehlung von James Meek ging er zur technischen Universität, die auf Werkzeugbau, Gusstechnik und Maschinenbau spezialisiert war. Nach der Universität arbeitete Steve kurzzeitig in der Werkstatt eines Herstellers in Nebraska. Während seiner Freizeit fertigte er viele Werkzeuge, die er noch heute für das Gravieren verwendet. Im Jahre 1981, als die Werkzeuge fertig waren, begann er mit dem hauptberuflichen Gravieren. Während der letzten 23 Jahre hat er nicht nur für Sammler und Messermacher weltweit Custom Knives, Waffen, Uhren und Schmuck graviert, sondern auch für Firmen wie Oakley Sunglasses, sowie für Instrumentenhersteller in New England mit Gold-, Silber- und Platin-Beschriftungen. Darüber hinaus gravierte er in Zusammenarbeit mit dem Graveur Lynton McKenzie ein Safari International Gewehr, das im Jahre 1986 von S.C.I. verkauft wurde.

Steve hat auch seine eigenen Folder geschaffen und die mit Gold und Diamanten besetzten Messer seines Vaters graviert. Eine der ersten Erfahrungen, die er mit Klappmessern machte, waren gewisse Störungen zwischen dem Gravurdesign und den Einlagen mit den häufig verwandten Pins und Pivot-Pins in den Backen. Da außerdem viele Messer nicht auseinander genommen werden können, können sie auch nicht vollständig in den Innen- und Außenflächen graviert werden. Steve entwarf mehrere neue Folder Designs und Mechanismen. Dieses sind verschraubte Folder deren Schrauben und Pins verborgenen sind. Der Zugriff auf die Schrauben erfolgt über die Unterseite des Messers. Ein Verschluss Mechanismus, den er entwarf; teilweisen Dank an Messermacher Barry Trindle. Der Schlossdrücker ist innen verborgen, so dass die Oberseite des Messers komplett zu gravieren ist.

Typisch für alle wirklichen Künstler, treibt Steve sich selbst anscheinend zum Maximum an. Er versucht immer bessere Gravur-Methoden und Werkzeuge zu finden und erhielt dabei mehrere Patente auf seine Feinwerkzeuge, die er für seine Gravuren verwendet. Die Zeit, die er sich für die Entwicklung verschiedener Werkzeuge nimmt, gibt ihm Abstand von seiner täglichen Arbeit. Aber wichtiger noch, der Entwurf dieser Werkzeuge hat das Niveau seiner Arbeiten und das der anderen Künstler qualitativ und in der Konsistenz gehoben.

Steve´s Gravuren werden mit der Hand unter einem Zeiss Mikroskop gestochen. Das Layout und Designs der Gravuren wird zunächst mit einem Bleistift aufgezeichnet und das Design wird dann unter dem Mikroskop mit einer Miniatur Chasing AirGraver graviert. 24k Gold wird für die Einlegen verwendet. Die Preisspanne für Messergravuren reicht von 4.000 $ für mittelgroße Interframe Folder ohne Goldeinlagen, bis hin zu 40.000 $ für komplex gravierte von Lindsay entworfene und hergestellte Klappmesser. Zurzeit nimmt Steve leider keine zusätzlichen Gravurarbeiten mehr an.

"Die künstlerische Vision der Handgravur, die ich erlebe, ist dem Gefühl sehr ähnlich, welches bei dem Hören von klassischer Musik entsteht. In der klassischen Musik gibt es ein Hauptthema oder Fluss, aber viele Nuancen werden im Verlauf hinzugefügt, die das Gesamtstück dann spannender und schöner machen. Ich glaube jeder sucht das Schöne. Mit meinen Gravuren versuche ich eine Schönheit zu präsentieren, deren Entdeckung anderen ermöglicht wird."

"Ich genieße die mechanischen und technischen Aspekte des Handgravierens, von der Herstellung der Gravur Werkzeuge bis zu dem Gefühl sich mühelos mit einem Stichel in meiner Hand durch das Metall zu bewegen und einen sauberen Schnitt zu schaffen. Etwas herzustellen, das eine visuelle Freude bereitet und in seiner Essenz sogar musikalisch ist, gibt mir sehr viel Befriedigung. Das Messermachen und das Arbeiten mit Metall sind eine Erweiterung des mechanischen Aspekts, um Werke zu schaffen, die meine Vision vollenden."

Möchten Sie mit Steve Lindsay in Kontakt treten, senden Sie uns bitte eine entsprechende Nachricht an info@arscultri.com oder wenden Sie sich direkt an ihn unter www.lindsayengraving.com.



Eine Einführung in die Handgravur
- Von Steve Lindsay –


Handgravur kann beschrieben werden als der Prozess, in dem ein gehärtetes, geformtes und geschärftes Stück Stahl – ein so genannter "Stichel" – durch die Metalloberfläche getrieben wird. Dies erfolgt entweder mit Handdruck (Druck-Stichel), einem kleinen leichten Hammer und Meißel (Stichel) oder mit einem druckluftgesteuerten Hammer. Drucklufthämmer ahmen Hammer und Meißel und die Druck-Stichel Technik nach. Der Stichel basiert auf einer spitz zulaufenden Form, die in sehr spezifischen Winkeln festgehalten werden. Diese Winkel erlauben dem Stichel richtig in die Metalloberfläche einzudringen und vorwärts zu arbeiten, wobei kontinuierlich das Metall vor dem Stichelkopf gespant wird und dabei eine kleine Rille hinterlässt.

Die Form des Stichels und der Winkel, in dem er gehalten wird, bestimmt letztendlich die Form der Rille. Während des Prozesses kann und wird der Winkel oft kontinuierlich verändert, womit dicke und dünne Stufen der Rille entlang der Schneidelinie ermöglicht werden. Wenn ein eckiger Stichel benutzt wird und man mit einer der Ecken das Metall durchsticht, erhält man eine V-förmige Rille. Es stehen viele Stichel-Formen zur Verfügung, die jede zu einem bestimmten Gravurstil und zu verschiedenen Ergebnissen führt. Normalerweise sind die beiden bevorzugten Formen das "V" und "flach". Persönliche Vorlieben spielen eine große Rolle bei der Wahl der Werkzeuge, die man benutzt.

Wenn man die Hammer und Meißel-Methode verwendet, benötigt man beide Hände - eine um den Stichel zu halten, die andere um mit leichten Hammerschlägen den Stichel durch das Material schneiden zu lassen. Bei der Druck-Stichel-Methode ist der Stichel in einem Holzgriff fixiert, der in der Hand gehalten wird. Der Stichel bleibt unbewegt während das zu gravierende Werkstück festgehalten wird und gegen die Spitze des Stichels geführt oder nach Wunsch gedreht wird, um einen Kreis oder eine Kurvenlinie zu erzeugen. Wenn eine gerade Linie erzeugt wird, wird der Stichel nur mit Handdruck vorwärts getrieben. Jeder dieser Methoden erfordert eine rotierende Schraubzwinge oder eine ähnliche Haltevorrichtung, um den zu gravierenden Gegenstand zu halten.

Der pneumatische Stichel benutzt Druckluft mit einem kleinen integrierten Kolben innerhalb des Stichel-Handstücks. Dieser Kolben trifft in gleicher Weise auf das Gravurwerkzeug wie bei der vorher beschriebenen Hammer und Meißel-Methode. Wie auch bei der Druck-Stichel-Methode ist eine Hand frei, um das zu gravierende Stück zu halten und zu drehen. Um detaillierte, qualitativ hochwertige Gravuren zu erstellen, muss der Graveur sehr akkurat viele Schnitte und Linien in das Metall treiben, die in Länge, Weite und Tiefe variieren. Prinzipiell sind die erzielten Resultate vergleichbar mit den von einem Künstler erzielten Resultaten, wenn er mit Stift oder Bleistift auf Papier skizziert. Es sind spektakulär schmückende Gravuren möglich, wenn der Stichel von jemandem geführt wird, der in der Kunst der Gravur sehr versiert ist.

Der Gebrauch fortgeschrittener Methoden wie "Bulino" oder "Banknoten"-Technik erlaubt es dem Künstler - wenn er hoch qualifiziert ist - exquisite, lebensnahe Wiedergaben in Metall zu fertigen. "Bulino" (ausgesprochen wie bo-li-no) bezieht sich auf eine Pointillismus- oder Punkt-Technik. Es ist abgeleitet von dem italienischen Ausdruck, der "einen kleinen handgehaltenen Stichel" bezeichnet. Heute wird dieser Ausdruck freier benutzt um die Methode zu umschreiben, mit der tausende von kleinen Punkten oder Linien in Metall erzeugt werden. Dies erlaubt die Kontrolle von hellen und dunklen Kontrasten.

Der "Banknoten"-Stil ist eine sehr organisierte und systematische Methode, tausende individueller Linien in unterschiedlicher Länge zu erzeugen, um wundervoll detaillierte Wiedergaben oder dekorative Designs zu formen. Man findet sie auf den Seiten älterer Texte, z.B. Familien-Bibeln und anderen Literaturstücken aus der gleichen Zeit die mit gravierten Platten gedruckt wurden. Die ähnlichste und gebräuchlichste Darstellung dieser Technik in der heutigen Zeit findet man auf Banknoten-Papier.

Die Fähigkeit des Künstlers zu visualisieren, wo und wie jeder Schnitt gesetzt werden sollte, bestimmt das letztendliche Resultat des Projektes. Wenn ein Gravur-Künstler ein Talent zur Visualisierung sowie theoretisches und technisches Wissen hat, wird er oder sie der Gravur Reichhaltigkeit und Charakter, ja selbst Emotionen verleihen können. Die Geometrie der Werkzeuge und die Art, in der der Stichel geformt ist – speziell der Kopf und Spanwinkel - bestimmt die Qualität der Gravur zusätzlich. Die Fähigkeit, den Stichel perfekt zu schleifen und zu formen, muss perfektioniert werden, da ansonsten saubere, akkurate und gratfreie Schnitte nicht erreicht werden können und die Resultate unbefriedigend sein werden. Schlecht angehobene Grate neigen dazu, eine raue Ansicht oder verschwommene Linien zu produzieren, was dann eher zu einem rohen, unfeinen Endprodukt führt als zu den weichen und sauberen Resultaten eines Professionals. Wenn der Graveur zu viel Druckkraft beim Schnitt anwendet oder der Eintrittswinkel des Stichels zu groß oder zu klein ist, werden speziell bei der Ausführung von Kurvenlinien Grate entstehen. Ein großer Eintrittswinkel verursacht einen Widerstand und bei einem kleinen Eintrittswinkel wird zu tief in das Metall eingedrungen. In beiden Fällen wird das Metall nach oben gezwungen und erzeugt dabei einen Grat über die Länge des Schnittes.

Es kann Jahre dauern, den technischen Teil der Handgravur vollständig zu beherrschen und Kompetenz in Sachen Design und dem historischen Studium der Gravurmotive aufzubauen. Erst dann kann man damit beginnen, seinen eigenständigen und persönlichen künstlerischen Stil zu entwickeln. Es gibt natürlich einige Studenten dieser Kunst mit einem natürlichen Talent, das es Ihnen ermöglicht diesen Prozess schneller zu beherrschen.

Die Kunst des Gravierens zu beherrschen erfordert Expertise auf verschiedenen Gebieten. Diese kann man in zwei Kategorien unterteilen: Kunst und Handwerk. Graveure, die sich nur mit dem Handwerk befassen, benötigen keine Fertigkeit im Bereich Zeichnen und Entwurf, um hervorragende Gravuren herzustellen -vorausgesetzt, dass das Design vorher entweder von einem Künstler oder durch die Reproduktion bereits verfügbarer schmückender Muster zur Verfügung gestellt wurde. Es gibt viele nicht urheberrechtlich geschützte (öffentlich zugängliche) Schmuckdesigns, die dem Handwerker in diesem Bereich helfen. Die erste und wichtigste Fähigkeit eines Handwerkers ist dann die Fähigkeit den Stichel präzise zu führen mit einem Verständnis dafür, was technisch erforderlich ist, um die gewünschten Resultate zu erzielen.

Falls der Graveur jedoch ein Künstler ist, muss er oder sie ein immenses Bedürfnis haben, wunderschöne originelle Designs zu entwerfen - gepaart mit einem Hintergrund in anderen Künsten - sowie ein künstlerisches Zeichentalent. Die Kunst des Gravierens selbst kann ein erfüllendes Medium für den Künstler sein, seine Kunst auszudrücken und kann damit ein lebenslanges Studium werden. Die Grundmethode der Handgravur hat sich seit Jahrhunderten nicht verändert. Mit der Entwicklung moderner Werkzeuge hat ein Graveur heute jedoch Vorteile, die früheren Graveuren nicht zur Verfügung standen. Die Computertechnologie erlaubt den Einsatz der Fotobearbeitung oder von vektorbasierten Zeichenprogrammen und vereinfacht damit den Designprozess. Mit Nutzung des Computers und der Bearbeitungstechnologien kann der Künstler heute erfolgreich und akkurat ein Design entwerfen, das dann vom Computer auf das zu gravierende Werkstück übertragen wird.

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